Betriebliches Gesundheitsmanagement

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In dem folgenden Beitrag wird dargestellt, was betriebliche Gesundheitsförderung beinhaltet. Im Weiteren wird ein spezielles, neuartiges Projekt - das "Betriebliche Gesundheitsmanagement" vorgestellt und schlussendlich sollen die Umsetzung und die Vorteile auch für die Betriebe und Unternehmen beschrieben werden.

Betriebliche Gesundheitsförderung
Bachelorarbeit
(2012) von Kristina Frese



Betriebliche Gesundheitsförderung - was ist das?

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Seit Mitte des letzten Jahrhunderts die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit als Zustand vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens definiert hat, ist der Gesundheitszustand von Mitarbeitern in Unternehmen und Betrieben wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt. Im Vordergrund für die betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention stehen die Arbeitsbedingungen und ihre Beziehungen zur Gesundheit. In unserer heutigen Arbeitswelt unterliegen die Arbeitsbedingungen einem ständigen Wandel, so dass es erforderlich ist, die betriebliche Gesundheitsförderung ebenfalls als sich ständig weiterentwickelnden Prozess zu betrachten.
Mehrheitlich liegen Programme für die Mitarbeiter in den Bereichen Bewegung und Entspannung, Verbesserung der Ernährung, Verbesserung der Stressbewältigungskompetenz sowie zum Thema Suchtvorsorge vor. Dies stimmt zum Teil auch mit den von der WHO im Jahre 2002 erfassten zehn bedeutendsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken überein:
Diese Faktoren zusammen sind für etwa 40% der 56 Millionen Todesfälle weltweit und für ein Drittel des gesamten Verlustes von gesunden Lebensjahren verantwortlich. Es gibt eine Vielzahl an Faktoren, die zur Erklärung der sich ändernden Krankheitsmuster herangezogen werden können. In den letzten Jahren haben wir viel erfahren über die psychobiologischen Mechanismen des Körpers und die psychosozialen Zustände wie Stress, Burnout, Depressionen und Ängste. Soziale Einflüsse zeigen sich unter anderem in Settings wie Schule, Arbeitsplatz und Nachbarschaft. Je positiver diese Einflüsse gestaltet sind, umso weniger Erkrankungen treten auf.
Dennoch wird das Wohlbefinden von Mitarbeitern noch nicht ausreichend berücksichtigt. Die Aktivierung der betrieblichen Gesundheitsförderung hat eine Expertenkommission von Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung im Jahre 2002 gefordert. Die Kommission geht davon aus, dass im 21. Jahrhundert traditionelle Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle eine geringere Bedeutung haben werden. Dafür müsse man sich mehr den psychischen und sozialen Risiken sowie den Gesundheitspotenzialen widmen.
Viele Mitarbeiter halten dem ständigen Umstrukturieren und den Druck durch monetäre Zielvorgaben nicht mehr aus. Durch Fehlzeiten entstehen nach Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Ausfälle von 35 Milliarden Euro pro Jahr. Daneben sind zusätzlich die Sozialversicherungssysteme betroffen.
Alles in allem also eine Aufforderung, die betriebliche Gesundheitsförderung zu aktivieren und neue, den aktuellen Arbeits- und Rahmenbedingungen angepasste Konzepte zu entwickeln.



Betriebliches Gesundheitsmanagement - ein neues interdisziplinäres Konzept

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Angeregt durch diese Überlegungen ist im Jahre 2003 ein neues Konzept entstanden. Bei der Sichtung der bisherigen Maßnahmen ist aufgefallen, dass viele Betriebe und Unternehmen zwar einzelne, durchaus auch gute Projekte durchführen. Allerdings erscheinen diese Aktivitäten zum Beispiel zur Stressbewältigung oder Bewegung einzeln durchgeführt zu werden, ohne das inhaltliche wie zeitliche Abstimmungen aufeinander erfolgen. Teilweise werden diese Programme sogar von unterschiedlichen Institutionen und Berufsgruppen akquiriert, wobei sich die verschiedenen Träger nicht miteinander kommunizieren, sich teilweise nicht gegenseitig kennen. Rotation
Die Kooperation einer Ernährungsberaterin, einer Bewegungsspezialistin (Inhaberin eines Sportstudios) und einer Diplom-Psychologin haben ein neuartiges Konzept entstehen lassen. Die drei Kerngebiete Fitness, Ernährung und Coaching werden aufeinander abgestimmt. Für den Einstieg wird dem Unternehmen eine 3x3x3 Kombination angeboten. Jeder der drei Themenbereiche wird in einem gut strukturierten Programm dreimal mit drei verschiedenen Schwerpunkten durchgeführt. Dabei erfolgen sowohl zeitliche wie inhaltliche Abstimmungen. Dies soll hier beispielhaft an einem Zusammenhang zwischen Ernährung, Bewegung und seelischem Wohlbefinden erklärt werden.



Das Wohlbefinden des Mitarbeiters im Dreieck zwischen Ernährung, Bewegung und Seele

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Damit der Mensch das richtige Maß an Wohlbefinden erlebt, benötigt er im Gehirn die dazu passende Menge an chemischen Botenstoffen (so genannte Transmitter). Durch unterschiedliche Maßnahmen können wir nun die Menge an Transmittern verändern, um eine positive ausgeglichene und damit auch stressresistente Stimmungslage zu erzielen.
Sowohl die richtige Zusammensetzung unserer Ernährung, wie ein bestimmtes Ausmaß an Bewegung und natürlich auch positive Gedanken bestimmen unsere Stimmungen. Natürlich ist es nunmehr sinnvoll, nicht nur in einem Bereich eine Bestandsaufnahme sowie ggf. die notwendigen Schritte zur Veränderung einzuleiten, sondern in allen drei Bereichen auf einander aufbauende Schwerpunkte zu setzen.
Das Konzept "Betriebliches Gesundheitsmanagement" bietet diese Bausteine für die Themenbereiche "Rücken und Haltung", "Herz-Kreislauf" und "Umgang mit meinem Körper in Belastungssituationen" an. Zusätzlich ist eine Erweiterung für verschiedene Themen möglich: z.B. Ernährung für unterschiedliche Altersgruppen, Fitness für Bewegungsmuffel oder Notfallpsychologie.
Selbstverständlich werden die Inhalte der Bausteine für das jeweilige Unternehmen speziell zusammengestellt. Dazu wird ein ausführlicher Diagnose- und Auswahlprozess vorgeschaltet. Außerdem wird nach vier Wochen nach Beendigung des Trainings eine Evaluation mit einem gesonderten Feedbackverfahren erfasst.



Betriebliches Gesundheitsmanagement - die Wirkungen und Vorteile

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In zunehmendem Maße werden in Betrieben und Unternehmen die sozialen und motivationalen Schwerpunkte den wirtschaftlichen Zielen untergeordnet. Langfristig werden jedoch wirtschaftliche Ziele nicht erreicht, wenn die sozialen und gesundheitlichen Komponenten der Mitarbeiter vernachlässigt werden. Meist müssen immer weniger Mitarbeiter mindestens die gleiche Menge an Arbeit leisten. Und dabei sollen noch alle zufrieden und ausgeglichen sein und selbstverständlich mit guter sozialer Kompetenz ihre Arbeit leisten.
Außerdem wird innerhalb der Kommunikation durch die rasche Entwicklung der Informationstechnologie auch die Struktur der Arbeit innerhalb von Betrieben und Unternehmen geändert und zwar dahingehend, dass die Flexibilität und Mobilität der Mitarbeiter erhöht werden soll, um fast überall und zu jeder Zeit arbeiten zu können. Damit gehen natürlich erhöhte Risiken von Arbeitsüberlastung, Schwierigkeiten in der Trennung von Arbeit, Familie und Freizeit einher, was wiederum zu einer Reihe weiterer gesundheitlicher Folgen führen wird.
Die Implementierung präventiver Programme, um die Mitarbeiter in Betrieben und Unternehmen zu schützen, ist daher absolut notwendig. Ein interdisziplinärer Mehrebenenansatz ist erforderlich, um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern und die gesundheitlichen Herausforderungen zu bewältigen. Ohne anspruchsvolle und komplexe, aber dennoch einfach verständliche Erklärungen von Verhalten und den gesundheitlichen Folgen, wird es kaum möglich sein, wirksam präventive Maßnahmen erfolgreich durchzuführen.



Betriebliches Gesundheitsmanagement - 3x3x3

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  Bewegung Ernährung Psychologisches Coaching
1.-3. Schulungseinheit
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für den Rücken
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für den Rücken
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für den Rücken
4.-6. Schulungseinheit
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für Herz und Kreislauf
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für Herz und Kreislauf
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für Herz und Kreislauf
7.-9. Schulungseinheit
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für Ausdauer und Fitness
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für Ausdauer und Fitness
  1. Grundlagen
  2. spezielle Interventionen
  3. Übungen
für Ausdauer und Fitness


Ausgewählte Literaturhinweise

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© Dipl.-Psych. Regina Lessenthin
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