Fische und deren psychologischen Wirkungen


1.) Warum werden Aquarien in der letzten Zeit vermehrt in den Wartezimmern von Ärzten eingesetzt?

Tatsächlich stellen immer mehr Ärzte und Zahnärzte in ihre Wartezimmer ein Aquarium. Im diesen Wartezimmern verbringen die Patienten meist eine unbestimmte Zeit, in der sie auf die Behandlung oder ein Untersuchungsergebnis warten. Das bevorstehende Gespräch mit dem Arzt ist für viele Patienten mit Unsicherheit oder Angst verbunden. In dieser Situation ist dringend Beruhigung und Entspannung erforderlich.
Das gleichmäßige und damit beruhigende Plätschern des Wassers und der Anblick der mühelos im Wasser dahinschwebenden Fische ist an sich schon die beste Anti-Stress-Methode. Denn bereits allein die Präsenz eines Tieres in einem Raum senkt bereits den Blutdruck und lässt uns ruhiger werden.


2.) Was ist der Vorteil eines Aquariums im Vergleich mit anderen Heimtieren?

Der Vorteil von Fischen gegenüber anderen Heimtieren ist die bessere Kontrolle von Allergiefaktoren. In unserem sehr allergischem Zeitalter reagieren viele Menschen inzwischen auf Tiere mit Fell und Federn. Tränende Augen, Hautausschlag und schnupfende Nasen sind oft die Folge. Ein Aquarium kann diese Risikofaktoren ausschalten. Im Gegenteil bei manchen Hauterkrankungen werden sogar Fische eingesetzt, die beim Bearbeiten der Haut des Patienten eine Heilung fördern. Und über Delphine, die zur Therapie bei körperlich oder seelisch erkrankten Patienten eingesetzt werden, existieren zahlreiche Forschungsprojekte.


3.) Kann man Aquarien als Mittel gegen Stress und zur Entspannung empfehlen und wenn ja, warum?

Aquarien eignen sich als Mittel gegen Stress, weil bereits die reine Präsenz eines Tieres in einem Raum entspannend wirkt. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ein Tier in einem Zimmer den Blutdruck senkt und uns ruhiger werden lässt. Wir können uns auch besser konzentrieren. Kinder, die in einer Untersuchung einen anstrengenden Satz vorlesen mussten und dies vorab als Stress beurteilt haben, haben ihre Aufgabe ruhiger und mit weniger Fehlern erfüllen können, wenn ein Tier im gleichen Raum anwesend war.


4.) Würden Sie grundsätzlich zur Anschaffung eines Aquariums raten?

Die Anschaffung eines Aquariums bedeutet die Übernahme der Verantwortung für den Aufbau und den Erhalt eines Miniökosystems. Dieses Ökosystems reagiert sehr sensibel auf Faktoren wie Zusammensetzung des Wassers, Einsatz von bestimmten Pflanzen und Chemikalien und benötigt intensivste Pflege. Dies alles kann nur funktionieren, wenn ich mit dem notwendigen Wissen, z.B. welche und wieviele Fische eignen sich für ein Aquarium, und den entsprechenden technischen Geräten z.B. Filteranlage und CO²-Anlage vertraut bin.
Ohne diesen Hintergrund wird das Aquarium für die Fische eher zur Folter als zum Ökosystem. Daher ist es erforderlich, das Kinder nicht allein mit der Übernahme der Aufgaben für das Aquarium betraut werden, sondern dass sie durch einen verantwortungs- und umweltbewussten Mensch begleitet werden.


5.) Was können Kinder, die ein Aquarium haben daraus lernen?

Wenn die notwendigen Bedingungen zum Aufbau und Erhalt des Miniökosystems Aquarium gewährleistet sind, können Kinder in unserer hochtechnisierten Welt das Wechselspiel zwischen Natur und Technik begreifen und exemplarisch erleben. Der richtige Umgang mit den Fischen erfordert Selbstkontrolle und eine Sensibilisierung für die eigenen Ressourcen, so dass Kinder in diesem Punkt auch in ihrer Entwicklung gefördert werden. Allerdings: wenn ich einen Fisch aus seinem natürlichen Lebensraum in ein Aquarium bringe, muss ich auch die Verantwortung für ein gutes und gesundes Fischleben übernehmen. Wenn diese Faktoren nicht erfüllt werden, können tierschutzrelevante Faktoren die Aufgabe des Aquariums notwendig machen.
Außerdem ist für Kinder durch Fütterungs- und Reinigungsrituale zum einen eine Kontaktaufnahme zu den Tieren möglich. Das Gefühl des Gebrauchtwerdens und die Möglichkeit der Ablenkung werden durch Aquarien vermittelt.
 
     
Keine Angst beim Arzt


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erschienen
am 11. Januar 2007
auf

     

© Dipl.-Psych. Regina Lessenthin
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